Informatisierte Arbeit,
informatisierte Organisation,
informatisierte Gesellschaft?

Was können wir aus der Geschichte
der Informatik lernen?

Stand: 05.01.2019
↗ Fundationes
↗ Workshops

In der immer noch anhaltenden Euphoriephase der sogenannten Digitalen Transformation werden oft Zusammenhänge als neu dargestellt und vermarktet, die schon vor Jahrzehnten erörtert wurden, oft unter anderem Namen.
Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurden der jeweils letzten Technikgeneration alle möglichen Wunderwirkungen zugeschrieben. Wie damals erwartet man auch heute alles Mögliche vom jeweils letzten Technikschub.
Informatisierte Arbeit, informatisierte Organisation, informatisierte Gesellschaft? Was können wir aus der Geschichte der Informatik lernen?
Ein Blick in die Vergangenheit, in die angebliche Steinzeit der Informationstechnik zeigt, dass Leitbilder der Technikentwicklung ein zähes Leben haben. Sie heften sich an die jeweils neueste Technikgeneration, die endlich das bringen soll, was die vorhergehende nicht schaffte. Praktisch alle heute lautstark verbreiteten Ankündigungen haben ihre Vorläufer, was bei der seit 1956 immer wieder neu thematisierten »Künstlichen Intelligenz« vielleicht am auffälligsten ist. So waren die Verheißungen von E-Commerce und E-Government, die sich in der Interneteuphorie um 2000 überschlugen, schon einige Jahrzehnte zuvor in der Diskussion. Seit 1965 stellten einige amerikanische Visionäre eine »Wired City« bzw. »Information Utility« in Aussicht: ein elektronisches Schlaraffenland für die ungern sich in die unwirtlichen Städte begebenden Mittelklassen, damals auf der Grundlage von Kabelfernsehen mit Rückkanal. Über Warenbestellung und -distribution, elektronische Wahlen und Verwaltungsleistungen hinaus wurde fast alles angesprochen, was heute zur Schlauen Stadt diskutiert wird. Auch die »Revolutionen« in der Produktions- und Arbeitswelt können auf eine lange Geschichte zurückblicken: die Schlagworte lauteten »menschenleere Fabrik«, »Computer-Integrated Manufacturing« oder »Industrialisierung der geistigen Arbeit«.
07.–08. Februar 2019
(12–19 Uhr und 9–14 Uhr)
Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft
Französische Straße 9 10117 Berlin
Organisatoren:
Klaus Lenk (Uni Oldenburg)
Jörg Pohle (HIIG)
Zur Untersuchung der möglichen Auswirkungen der zunehmenden »Informatisierung« auf Individuen, Gruppen, Institutionen und Gesellschaft und deren Rückkopplungen auf die Technikentwicklung wurden in der Vergangenheit immer wieder neue (Teil-)Disziplinen aus der Taufe gehoben, darunter die Rechtsinformatik, »organisational informatics« oder »social informatics«. All zu oft fristen sie ein Nischendasein oder verschwanden bereits nach kurzer Zeit wieder in der Versenkung. Nicht selten jedoch haben sie eine Fülle von Forschungsansätzen und Erkenntnissen hinterlassen, an die anzuknüpfen uns lohnenswert erscheint.
Termine:
17.11.2018: Einladung 10.12.2018: Anmeldefrist 07./08.02.2019: Workshop
Der gegenwärtige Automationsschub hat jedoch einige Eigenschaften, die ihn von vergangenen Schüben unterscheiden. Seit etwa 2005 beobachten wir eine spürbare Beschleunigung der Technikdiffusion. Die Gesellschaft ist stärker betroffen als von früheren Schüben. Weil das wissenschaftliche Verständnis offensichtlich kaum noch nachkommt, möchten wir junge Wissenschaftler*innen mit frühen Pionier*innen und Kritiker*innen der Entwicklung von »Informatik und Gesellschaft« zusammenbringen. Das sollte Lernprozesse initiieren und intensivieren, die auf dreierlei hinauslaufen:
  • Fundierte Ideologiekritik der »Digitalisierung« der Gesellschaft
  • Tragfähige Theorien der Ko-Evolution von Technik und Gesellschaft
  • Soziotechnische Gestaltungsansätze und ihre praktischen Chancen
Ziele des Workshops: Ideologiekritik, Theorien, Gestaltungsansätze
Die »Alten« sollten einen Problemzusammenhang, zu dem sie selbst wesentliche Arbeiten beisteuerten, aus heutiger Sicht darstellen.
Sinn des Vorgehens ist es zu schauen, wo wir von den »Alten« lernen können, wo wir alle umdenken müssen, und welche Forschungsperspektiven sich im Hinblick auf die frühere Thematisierung oder Ausblendung bestimmter Entwicklungen heute ergeben.
Wir möchten hiermit Sie und Euch ganz herzlich zu dieser Arbeitstagung einladen und erbitten eine Rückmeldung zur Teilnahme bis spätestens 10. Dezember 2018.
10.12.2018: Anmeldefrist
Leider können wir keine Reise- oder Übernachtungskosten erstatten und erbitten von allen Teilnehmenden einen Unkostenbeitrag von 30 Euro.
Für Fragen wenden Sie sich bitte an: Klaus Lenk (lenk@posteo.de) und Jörg Pohle (joerg.pohle@hiig.de).

Programm der Arbeitstagung

Donnerstag, 7. Februar 2019
12:00 Begrüßung
12:30 Panel 1: Theorie der Informatik
  • Wolfgang Coy
  • Klaus Fuchs-Kittowski
  • Reinhard Keil
  • Frieder Nake
  • Moderation: Stefan Ullrich
15:00 Panel 2: Rechtsinformatik
  • Hansjürgen Garstka
  • Tom Gordon
  • Wolfgang Kilian
  • Moderation: Jörg Pohle
17:30 Panel 3: Verwaltungsinformatik
  • Herbert Kubicek
  • Klaus Lenk
  • Jörn von Lucke
  • Moderation: Tino Schuppan
07.02.2019
Freitag, 8. Februar 2019
9:00 Panel 4: Informatiksysteme in Organisationen und Gesellschaft
  • Rainer Fischbach
  • Ullrich Frank
  • Arno Rolf
  • Moderation: Klaus Lenk
11:30 Panel 5: Künstliche Intelligenz
  • Peter Brödner
  • Werner Rammert
  • Jörg Siekmann
  • Moderation: Sybe Rispens
08.02.2019